Zuhause im Bad

«Gutes Design verbindet Funktionalität und Ästhetik»

04.04.2018 - Esther Küng-Unternährer

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Mark Wunderlin verantwortet seit zwei Jahren die Marketing- & Design-Abteilung von talsee. Wie ein Designprozess für eine neue Kollektion abläuft und welche Rolle dem Produktionsstandort Schweiz dabei zukommt, erklärt er im Interview.

Mark, du bist seit knapp vier Jahren bei talsee.

Genau, ich bin damals als Produktdesigner bei talsee eingestiegen, seit zwei Jahren bin ich Leiter Marketing & Design. Vor meinem Start war ich fünf Jahre lang in China. Dass ich direkt nach meinem Auslandsaufenthalt angefangen habe und voller Ideen war, hat mir in die Hände gespielt. Ich konnte mich bereits im ersten Jahr stark einbringen.

Von China ins Seetal, das klingt nach Kulturschock?

Das war es auch (lacht). Die Kulturen, natürlich auch die Arbeitskulturen, sind sehr unterschiedlich. talsee ist wahnsinnig gut organisiert und ich konnte diesbezüglich viel von meinem Chef lernen.

Mit welchen Stichworten würdest du das talsee Design beschreiben?

Unser Design ist zeitlos, funktional, wohnlich und immer mit hochwertigen und optisch ansprechenden Materialien umgesetzt.


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talsee Design ist geprägt von hochwertigen und optisch ansprechenden Materialien und wohnlicher Funktionalität. So auch der Schminktisch Beauty Desk aus der Badkollektion mood.


Design oder Funktion – Was steht an erster Stelle?

Bei talsee geht das immer Hand in Hand. Das Design darf der Funktion nicht im Weg stehen. Die Vorstellung, dass Design der Funktionalität schadet, existiert nur, weil es zu viele schlechte Designs gibt. Gutes Design verbindet Funktionalität und Ästhetik.

Wie muss man sich einen Design-Prozess vorstellen? Setzt du dich mit einem Bleistift an den Tisch oder beginnst du gleich am Bildschirm?

Wir tragen zuerst Bedürfnisse zusammen, analysieren Trends, erstellen Moodboards und besprechen es im Team. Dies ist ein intensiver Prozess. Erst wenn wir bereits eine klare Vorstellung vom Produkt haben, beginnen wir damit, dieses zu zeichnen oder am Computer darzustellen.

Geht einem talsee Badmöbel immer ein Kundenbedürfnis voraus?

Oft, aber nicht nur. Am Anfang der Kollektion mellow stand tatsächlich das Kundenbedürfnis nach einem Badmöbel ohne vorstehenden Griff, das aber trotzdem einfach zu bedienen ist. Dem neuartigen Spiegelschrank reflect hingegen ging eine Bekanntschaft mit dem Designer Thomas Gerig voraus, der einen nicht-blendenden Spiegel kreieren wollte. Er hatte bereits eine eigene Technologie entwickelt und Patent angemeldet. Wir fanden die Idee genial und wollten sie unbedingt umsetzen.


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Am Anfang der Kollektion mellow (im Bild) stand das Kundenbedürfnis nach einem Badmöbel ohne vorstehenden Griff.


Wie lange ist die Zeitspanne von der Idee über das Moodboard bis zur Produktion?

Die Entwicklung von mellow beispielsweise dauerte rund ein Jahr. Die grösste Herausforderung bestand darin, die Idee produktionsreif hinzubekommen. Wir mussten die perfekte Lösung finden, die sowohl technisch als auch optisch alle Ansprüche erfüllt. Das dauerte seine Zeit.

Es ist dieser Zeitspanne wohl auch zuträglich, dass talsee in der Schweiz produziert?

Absolut. Es ist genial, dass wir die Manufaktur direkt auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Flagshipstores haben. Wenn wir mit einem Unternehmen arbeiten würden, das hunderte Kilometer entfernt ist, würden wir alleine mit Lieferfristen Monate verlieren.

Inwiefern ist der Produktionsstandort Schweiz für dich bei der Produktentwicklung relevant?

Vor allem hinsichtlich Kontrolle. Viel zu oft verliert ein Designer auf dem Weg von der Idee zum fertigen Produkt die Kontrolle und es kommt ein völlig anderes Produkt auf den Markt, als der Designer ursprünglich entworfen hatte. Bei uns macht nicht das Design den grössten Teil des Entwicklungsprozesses aus, sondern die Perfektionierung der Umsetzung. Das wird durch den Produktionsstandort Schweiz möglich.


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Martin Stadelmann, Schreiner EFZ, verpasst einem Corian® Waschbecken am Produktionsstandort Hochdorf den letzten Schliff.


Ihr designt auch fugenlose Dusch- und Badewannen-Kombinationen. Woher stammt diese Idee?

Wir haben ein Marktbedürfnis gespürt. Die Fugenlosigkeit ist bei unseren Waschtischen schon lange ein grosses Thema. Wir verarbeiten fugenlose Beckenabdeckungen mit dem Material Corian®. Da wir die technischen Möglichkeiten haben, Corian® fugenlos zu verkleben, konnten wir diese Technik perfektionieren. Als wir für ein individuelles Projekt Duschen und Badewannen aus einem Guss geliefert haben und wir die finale Lösung sahen, war es bis zu unserer eigenen Produktlinie purity nicht mehr weit.

Was sind die Vorteile von Corian® bezüglich Ästhetik und Funktionalität?

Man kann perfekt auf die jeweilige Architektur und Bausituation eingehen. So gab es eine Lösung, bei welcher wir in der Duschrückwand eine Estrich-Türe integrierten. Zudem ist Corian® ist ein tolles Material in der Verarbeitung. Wir können Corian® auf denselben Maschinen wie Holz verarbeiten. Dadurch entstehen ideale Lösungen. Zudem gibt es eben die Möglichkeit, Corian® zu verleimen und verschleifen, damit es komplett fugenlos ist. Das ist praktisch und extrem pflegeleicht.

Ihr habt schon diverse Designpreise gewonnen. Was löst so eine Auszeichnung aus?

Der Prozess beginnt bereits bei der Einreichung der Bewerbung. Da muss man sich Gedanken darüber machen, was denn eigentlich der Kern des Produkts ist. Das Zusammentragen aller relevanter Informationen ist eine spannende Aufgabe! Wenn man den Preis tatsächlich gewinnt, ist das natürlich eine grosse Befriedigung. Man weiss, dass man etwas Gutes geleistet hat.

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